Abi 98
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Miscellaneous

Love is all around...

...sangen Wet Wet Wet vor drei oder vier Jahren. Nie hatten sie damit so recht wie dieses Jahr: 1998 ist das große Jahr der Liebe.
Apropos wet: die erste große Liebe des großen Liebesjahres gilt dem Film Titanic, in den Hauptrollen Unmengen von Wasser, ein Eisberg, Kate Winslet und Leonardo di Caprio. Das Publikum liebt nicht nur den Film, sondern auch Celine Dion, die lauthals verkündet, daß ihr Herz auf jeden Fall weiterschlagen wird. Folge: das Publikum liebt auch das Lied. Auch die Jury liebt den Film: 11 Oscars.
Kaum hat man sich von diesem Bad in Emotionen erholt, erreicht einen eine weltumspannende Heilsbotschaft: Guildo hat euch lieb! Das Publikum wiederum hat Guildo dafür so lieb, daß es ihn aus Liebe nach Birmingham zum Grand Prix schickte, wo er dann ganz Europa liebhaben durfte. Auch die Bäckerinnung hat Guildo ganz bestimmt lieb, da er der Nußecke zu einem sensationellen Comeback verhilft.
Apropos Comeback: die Jungs von Modern Talking haben sich neuerdings wieder lieb, und der böse, böse Streit von früher ist vergessen.
Giovanni Trapattoni dagegen hat die Jungs vom FC Bayern gar nicht mehr lieb und beschert der Öffentlichkeit nach "Guildo hat euch lieb" die zweite große Botschaft des Jahres: Ich habe fertig!
Fertig haben aber auf keinen Fall die Fernsehsender mit nachmittäglichen Talkshows, die haben sie nämlich ganz besonders lieb, und deshalb schießen selbige wie Pilze aus dem Boden. Die Gäste allerdings haben sich meistens überhaupt nicht lieb, vor allem dann nicht, wenn es sich um Vorlieben in der Liebe dreht, so daß der liebe Talkmaster dazwischengehen muß, um Handgreiflichkeiten zu verhindern.
Weitere Beispiele ließen sich wohl endlos aufzählen: Berti hat Lothar Matthäus plötzlich wieder lieb, die Parteien haben alle volljährigen Bundesbürger so lieb wie schon seit vier Jahren nicht mehr, die Presse hat Jan Ullrich nicht mehr ganz so lieb wie letztes Jahr nach der Tour de France, etc.
Wen wundert es da, daß dieser Trend auch das Taubertal erfaßt und sich hier bei uns in der Schule eingenistet hat?
Als erster ist Herr Topp in Liebe entbrannt, und zwar in Liebe zum Durchsagenapparat. Dieser scheint ihn so in seinen Bann zu ziehen, daß er sich überhaupt nicht mehr davon lösen kann. Mehr noch: er will seine Liebe der ganzen Welt mitteilen. Sein Liebesgeflüster erreicht das ganze Schulhaus, meist doppelt. Seine zweite große Liebe gilt der Bürokratie, daher hat er aus Liebe liebevolle neue Entschuldigungszettel entworfen und ist damit quasi zum Lagerfeld unter den Formulargestaltern avanciert. Das gleiche gilt für die fabelhaften neuen Änderungspläne.
Im Dezember 1997, kurz vor dem großen Fest der Liebe, entdeckte man an unserer Schule kurz vor dem dritten Advent die Liebe zur weihnachtlicher Dekoration. Diese Liebe brachte einen überdimensionalen Kranz in der Pausenhalle hervor. Das Licht der Liebe spendeten vier ebenfalls überdimensionale Neonröhren, die ihrerseits an Werkzeuge der körperlichen Liebe erinnerten.
Unter dem Motto "Alte Liebe rostet nicht" steht wohl das Rentnerdasein unseres Ex-Konrektors Julius Kratzi. Wie sonst sollte man sich seine häufige Anwesenheit in der Schule erklären? Manch einer ist ihm in diesem Jahr schon häufiger begegnet als damals, als er noch hier unterrichtet hat.
Stolz präsentieren gewöhnlich gut unterrichtete Kreise die deutsche Antwort auf Leo und Kate: Günther Schindler und Rotraut Wunderlich. In letzter Zeit wurden die beiden öfter gemeinsam in einem Auto gesichtet: erste zarte Bande der Liebe?
Wenn ja, bestünden gute Chancen, ihre Geschichte zu verfilmen und den größten Coup der Filmgeschichte zu landen. Die Regiearbeit müßte vom deutschen James Cameron übernommen werden, einem Mann, für den seine Liebe zum Film fast noch mehr bedeutet als seine Liebe zu seinen Schülern: Heinz Schmitt. In Anlehnung an die heimliche große Liebe des Günther Schindler, die Orthographie, trüge das monumentale Meisterwerk den Titel "Liebling, ich habe den Duden verlegt!"
Doch eine große Gefahr für die zarten Bande zwischen Rotraud und Günther ist seine Leidenschaft für Nachschlagewerke aller Art, die er so lieb hat, daß er in liebevoller Kleinarbeit seine liebreizenden Tafelanschriebe daraus abschreibt, die seine Schüler dann in süßer Verwirrung liebevoll in ihre Hefte übertragen. Vor Klausuren entbrennen die Schüler dann allerdings regelmäßig in Liebe zu ihren Biobüchern, da die Dinge, die Günther im Liebestaumel diktierte, leider größtenteils undurchsichtig sind, und man - bei aller Liebe - kein großes Vertrauen zu ihnen hat, das doch die Basis jeder Liebe sein sollte. Ganz fürchterlich lieb hat Frau Holz ihren Sport-Grundkurs, so lieb, daß sie eigens ein spezielles Kosewort für ihn entwickelt hat, den, im Gegensatz zu Mausi oder Schatz, nur er trägt: "Rentnertruppe". Der Grundkurs hat Frau Holz dafür so lieb, daß er sie regelmäßig mit grandiosen Volleyballstrategien erfreut. Unter dem Motto "Wer liebt, muß loslassen können" und "Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft" überläßt man den Ball aus Liebe den Mitspielerinnen, die ihn dann liebevoll zu Boden befördern, so daß der Ball den Boden jetzt sicher viel lieber hat als die Hände der Spielerinnen.
Am liebsten hat aber Herr Hebel seinen Latein-LK, den er vor lauter Liebe noch nicht einmal mit seinem Besuch beim Latein-Abi beglückt hat, so daß der LK jetzt aus Liebeskummer nachts in seine Kissen heult. Das Kultusministerium seinerseits hatte die Abiturienten so lieb, daß es ihnen aus Liebe ein ganz besonders liebvolles Matheabi servierte. Die Abiturienten ihrerseits warten nun liebeskrank auf die Ergebnisse, was wieder eines beweist:

1998 das große Jahr der Liebe!

Barbara




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Text: Barbara Zorn
© 1998 by
Sebastian Stein